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Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V. (Hrsg.)
In der Rolle der "omnipotenten Alleskönner"?
Reflexionen zu Geschichte und Gegenwart Mobiler Jugendarbeit in Leipzig
Inhalt:
Andreas Klose
10 Jahre Mobile Jugendarbeit Leipzig - (K)ein Grund zu feiern!?
Sequenzen aus der Sicht eines Fachbegleiters
Intro:
Zehn Jahre Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V. - was gibt es denn da zu feiern? Heißen zehn Jahre Mobile Jugendarbeit nicht auch, dass immer noch ein deutlicher Bedarf besteht an einer Hilfeeinrichtung für junge Menschen, die für junge Menschen Brücken baut zu anderen Hilfeeinrichtungen und selbst notwendige Angebote entwickelt und anbietet, die von anderen Einrichtungen nicht bzw. zumindest nicht dieser Zielgruppe adäquat angeboten werden? Was ist aus den Zielen geworden, denen man sich vor zehn Jahren stellte? Warum ist Mobile Jugendarbeit in Leipzig immer noch notwendig und allseits gewünscht? ..."
Katrin Zschuckelt
Prolog
Warum schreiben WIR dieses Buch?
Intro:
"Irgendwann im Jahre 2002 saßen wir, also das Team der Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V., beisammen und philosophierten über das kommende Jahr. Dieses sollte auf alle Fälle ein besonderes werden, denn wir würden den 10. Geburtstag unseres Vereins feiern. Bei solchen Gelegenheiten schweifen unsere Gedanken oft in recht abenteuerliche Sphären ab, die Vernunft wird ausgeblendet und heraus kommen dann Ideen, die manchmal unrealistisch sind und in die Schublade gesteckt werden. So erging es auch erst mal dieser Idee, ein Buch zu schreiben. Hört sich zwar gut an, aber das steht uns dann doch nicht zu. Oder etwa doch? ..."
Rita Schmäche
Sieben Tage, die zehn Jahre sind
Sequenzen einer zehnjährigen Sozialarbeiter/ innenkarriere
Intro:
"Als es hieß ,lasst uns ein Buch schreiben, war ich total begeistert. Hätte ich doch damit alle drei großen Aufgaben im Leben eines Menschen schon mit 36 Jahren geschafft. Einen Baum habe ich gepflanzt, sogar einen Haselnussbaum. Ein, nein, zwei Kinder gezeugt und nun dieses Buch. Rechnet man alles zusammen, habe ich diesen Lebensplan sogar ein wenig übererfüllt. Denn eine Diplomarbeit zählt in dieser Rechnung bestimmt auch für ein halbes Buch. Nur, dass Goethe diese großen Lebensaufgaben für einen Mann formulierte. Und das bin ich nicht. Ich bin absolut weiblich, klein und rund und mit einem vorlauten Mundwerk gesegnet. Was kannst du also von meinen schriftstellerischen Ergüssen im weiteren Verlauf dieses Buches erwarten? Ich habe vor, dich durch eine Woche meines Alltags zu führen und dir daran zehn Jahre einer Projektentwicklung aufzuzeigen. Alle meine Erfahrungen und angehäuften Weisheiten werden die nächsten Seiten sowohl zur Fachlektüre machen als auch - wie ich hoffe - zu einer kurzweiligen, leicht zu konsumierenden Reise in den Alltag einer Sozialarbeiterin...."
Scarlett Wiewald
Ein neues Team entsteht
Intro:
"Auf den folgenden Seiten möchte ich darstellen, wie sich das Kübel-Nord-Team der Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V. von der Antragstellung bis heute entwickelt hat. Mag sein, dass mein Artikel leicht chaotisch und unstrukturiert wirkt. Aber die Zeit war einfach so voll Eindrücken und Erlebtem, dass mir das Filtern der wichtigsten Ereignisse und Erkenntnisse ehrlich schwer fiel. ..."
Jan Kaefer
Bis die Hütte brennt...
Über die Arbeit mit Jugendcliquen
Intro:
"Zu den Grundpfeilern Mobiler Jugendarbeit gehört in hohem Maße auch die Arbeit in und mit Jugendcliquen. Für Menschen, die nicht unbedingt mit der Materie vertraut sind, scheint diese Arbeit jedoch immer etwas mysteriös zu sein. So ein bisschen mit den Jugendlichen zu reden oder auch mal Sport zu machen, kann doch wohl keine Sozialarbeit sein. Wo bitte bleiben denn die psychologischen Tricks, mit denen aus auffälligen Jugendlichen im Handumdrehen liebe Jugendliche werden!? Die Erklärungen sind meist müßig. Im folgenden Text versuche ich deshalb zu zeigen, wie wir in unserem Projekt Cliquenarbeit verstehen und praktizieren. Auf eine Anhäufung von Fachbegriffen habe ich dabei bewusst verzichtet - die Wissenschaftler und Methodiker unter den Lesern mögen es mir nachsehen. Im Plauderton, finde ich, lässt sich die alltägliche Arbeit am besten widerspiegeln. Und es bietet bestens Gelegenheit, reichlich Episoden aus dem "echten Leben" einfließen zu lassen. Für diese sorgen in meinem Artikel vornehmlich die "Hütte-Kids", eine ziemlich lebhafte Clique, mit der wir eine lange Zeit verbrachten - und die in Wirklichkeit natürlich ganz anders hieß. ..."
Ronald Hametner
Fährverbindungen in der Tiefsee
Einzelfallhilfe in der Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V.
Intro:
"Freiwillig vertrauen: Seid ehrlich, wenn Schwieriges erdrückend, ein Problem unlösbar, ein Streit undiskutierbar wird. Seid dann so stark, davon zu erzählen, euch mit einer unvoreingenommenen Person zu beraten und abzuwägen, was helfen, wie es weitergehen kann.
Diese Sequenz, in den Flyer 2002 gefügt, propagiert das Angebot der Einzelfallhilfe und enthält schon einige ihrer Versatzstücke. Den Auftakt bildet Freiwilligkeit. Sie weist auf das Verhältnis, die Beziehung zwischen dem Klienten und dem Unterstützenden hin. Denn die wird grundsätzlich vom Klienten begründet. Auf der anderen Seite der vertraulich-kooperativen Beziehung findet er die professionelle Dimension der Unvoreingenommenheit. In sie eingeschlossen sind Verschwiegenheit, Akzeptanz und Wertungsfreiheit. Denn den Mobilen Jugendarbeiter gelingt die Beziehungsklärung nur, insofern er zwischen dem Jugendlichen an sich und seinen Verhaltensexzessen bzw. Einstellungen unterscheiden kann. Erst das Bekenntnis zur Möglichkeit einer adäquaten Entwicklung kreiert den Kritik- und Veränderungsraum für eine auf Unterstützung angelegte Beratung. ..."
Ronald Hametner
In Wahrheit sind die Fäden das Gespinst
Gemeinwesen- bzw. Netzwerkarbeit in der Mobilen Jugendarbeit
Intro:
"Wohin diese neue Lebensform steuert, lässt sich nicht voraussagen, doch eines ist sicher: Der historische Baummensch, der Homo domesticus, hat aufgehört zu existieren. An seine Stelle tritt die neue Massengesellschaft der Termitenstadt. (...) Es gelten die gleichen Gesetze wie in der Atomphysik: Wenn eine bestimmte kritische Masse erreicht wird, entsteht über eine Kettenreaktion explosiv etwas völlig Neues.
Dieses Zitat von E.W. Heine aus ‚New York liegt im Neandertal' spitzt auf eine sonderbare Weise die immerzu geschehene Urbanisation anhand ihres Unkehrpunktes zu. Der ist in Leipzig-Grünau spürbar erreicht. Diese vor ca. 25 Jahren beinahe aus einem Guss entstandene Satellitenstadt Leipzigs bleibt sich selbst, seinen Entwicklungen und Wandlungen, immer etwas fremd. ..."
Rita Schmäche
No Woman - No Cry
Eine Rede, die keinen Platz in wissenschaftlichen Standardwerken findet und trotzdem hilfreich sein kann
Intro:
"Es ist schon ein ganzes Weilchen her, als Bob Marley, leicht süffisant, mit diesem Lied Männern aus den Herzen sprach und auch heute muss es herhalten, wenn genervte Mannsbilder sich auf die Schenkel klopfen und wissend-verschwörerisch gegenseitig zwinkernd den Aufstand proben. Alles beim Alten? Nein, die Songtexte haben sich verändert. Shaggy röhrt betörend über die Kraft der Frau, die Toten Hosen suchen eine Annäherung, indem die ‚mal Hallo sagen' wollen und auch kritische Stimmen gegenüber dem eigenen Geschlecht Mann sind mitunter zu hören. Müßig, darüber zu philosophieren, wie ernst diese Botschaften von den Interpreten gemeint sind. Was auffällt, ist eine Annäherung, eine klitzekleine Besinnung, welche ‚around the world' geht. Man(n) sagt, singt und veröffentlicht, was er seit Anbeginn aller Zeiten weiß: Eine Frau ist was Einzigartiges, was Besonderes und ihm Fremdes und dieser Umstand muss nicht beängstigend, sondern kann etwas Zauberhaftes sein. Ein zartes Pflänzchen, mit aller Macht gepflanzt und mit Herzblut gegossen von mehreren Frauengenerationen vor mir. Diese Pflanze zu schützen und zu nähren ist im weitesten Sinn auch die Grundphilosophie ‚meiner' Arbeit mit Mädchen. ..."
Scott Caton
Mobile Jugendarbeit e.V. und Sport
Intro:
"Sport als Teil der sozialen Kultur beeinflusst unser Leben auf vielfältige Art und Weise. Dabei spielen Sport und sportliche Aktivitäten eine immer größere Rolle in der Freizeit der modernen Gesellschaft, ob selbst aktiv wie bei den Breitensportarten Joggen, Wandern, Tennis, Volleyball, Beach-Volleyball, Schwimmen, beim Leistungssport oder bei der Teilnahme in den zahlreichen Sportvereinen als auch passiv als Zuschauer bei Sportveranstaltungen, live oder bei Fernsehübertragungen. Dennoch spielt Sport nicht nur eine wichtige Rolle im Leben der Menschen als Teilnehmer bzw. Zuschauer, sondern er ist auch Mittelpunkt einer weltweiten Multi-Milliarden-Dollar-Unterhaltungsindustrie. Eine Industrie, die auch Einfluss nimmt auf die populäre Mode wie Basecaps und Turnschuhe. Dieser Aspekt soll in der Jugendsozialarbeit nicht außer acht gelassen werden, insbesondere, wenn Sozialarbeiter/ innen mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen arbeiten. ..."
Rita Schmäche
Mobile Jugendarbeit und die Schwierigkeit der Zielgruppenbestimmung
Intro:
"Mobile Jugendarbeit ist ein Arbeitsansatz, welcher verschiedene Methoden miteinander verknüpft um flexibler und nachhaltiger die Lebenssituation junger Menschen zu verbessern. Jedoch sind die Zielgruppen dieser Arbeit zumindest konzeptionell klar umrissen. Zusammenfassend sind ‚Ausgrenzung' oder die ‚Bedrohung der Ausgrenzung' Indikatoren für die Zielgruppenbestimmung. Somit lässt sich eindeutig feststellen, dass Mobile Jugendarbeit ziemlich klar auch junge Menschen aus seinem Arbeitsfeld ausgrenzt. Nämlich jene, die von anderen Formen der Jugendhilfe erreicht werden können bzw. ohne größere Probleme in diese integriert werden können. Dieser Ausschluss sogenannter ‚Normalos' aus diesem Arbeitsfeld ist mit Sicherheit auch ein Diskussionsthema, da nicht alle Mitarbeiter/ innen diese klare Definition mit letzter Konsequenz und Überzeugung in ihrer täglichen Arbeit umsetzen. Aber selbst wenn Mitarbeiter/ innen diese Zielgruppenbeschreibung als bindend betrachten, ergeben sich schwierige Fragestellungen und Probleme. ..."
Frank Thorausch
Mobile Jugendarbeit im ländlichen Raum
Zwischen Elend und Waldidylle
Intro:
"Elend - im Ortsteil am Rande der Kreisstadt hatten Jugendliche als Freizeittreff einen Bauwagen bezogen. 20 Kilometer südöstlich von hier: Waldidylle - hier stand der jungen Generation immerhin ein Raum unter festem Dach zur Verfügung. Die beschriebene Situation fanden wir im Jahre 1998 im Weißeritzkreis, einem Landkreis südwestlich von Dresden gelegen.
Im gesamten Landkreis existierten ca. 85 weitere Jugendclubs, nur zwei davon wurden durch je einen sozialpädagogischen Mitarbeiter hauptamtlich betreut. Für die Beratung und Unterstützung der übrigen Clubs war eine (!) sozialpädagogische Fachkraft im Kreisjugendamt zuständig. Dass diese allein den Bedarf nicht decken konnte, lag auf der Hand.
Eine von der Jugendhilfeplanung erstellte Sozialraumanalyse war Anstoß zur Diskussion in Jugendhilfeausschuss und Kreistag und lieferte die Grundlage zur Konzeptentwicklung für das Projekt "Mobile Jugendarbeit Weißeritzkreis". ..."
Alle Beteiligten
Projektarbeit
oder die Kunst, das eine zu tun ohne das andere zu lassen
Betrachtungen zu ausgewählten Projektbeispielen:
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"Entimon" (zu den Vor- und Nachteilen eines Förderprogrammes)
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"Feste, Feste und (k)ein Ende" (über die Relevanz von Stadtteilfesten)
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"Das ‚Saubandenspiel'" (Erfahrungen mit einem antifaschistischen Rollenspiel)
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"Sehen und gesehen werden - Zur Dialektik des Infostandes"
Katrin Zschuckelt
Streetwork und Management - (k)ein Widerspruch?!
... und raus bist du
Intro:
"Ja, schnell kann es gehen heutzutage, da glaubt man eine gute und wichtige Arbeit zu machen und plötzlich wird der Geldhahn zugedreht. Die Gründe dafür sind dann oft nicht so sehr bei den Projekten selbst zu suchen, sondern das Prinzip Rasenmäher im jährlichen Kürzungsprozedere fragt eben nicht nach Qualität, Effizienz oder gar Controlling. Wozu also sich damit beschäftigen?
Nun, es gibt immer auch ein Leben vor dem Tod und dieses sollte man so gut verbringen, wie es möglich ist. Außerdem, neben der Komponente der Geld- und Auftraggeber, die trotz allem eine bestimmte Vorstellung von unserer Arbeit haben, und neben den Jugendlichen, die professionelle Hilfe brauchen, gibt es auch noch uns selbst, die Sozialarbeiter/ innen der Mobilen Jugendarbeit. Und auch wenn das Bild von uns in der Öffentlichkeit nahe bei dem unserer Klientel ist und vor allem von Zuschreibungen wie chaotisch, undiszipliniert oder individualistisch dominiert wird, brauchen wir bestimmte Rahmenbedingungen, um einen guten Job zu machen. Das jedenfalls ist meine Erfahrung und feste Überzeugung. Aus diesem Grund möchte ich auch keine Zeit damit verlieren, die Diskussion pro und contra Sozialmanagement zu reflektieren. Fakt ist, die öffentliche Förderung wird knapper, die Kosten steigen stetig, die Arbeit wird nicht weniger und die Ansprüche an uns werden vielfältiger. Das Solidarprinzip zwischen den Freien Trägern ist auf diesen Grundlagen nicht haltbar, jeder kämpft für sich allein und versucht sich irgendWIE über Wasser zu halten. Und dieses WIE ist aus meiner Sicht entscheidend. ..."
Anhang
→ u.a. mit kopierbaren Arbeitshilfsmitteln
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