Team "Kübel"-Nord
Teamzusammensetzung
Das Team "Kübel"-Nord setzt sich aus drei festangestellten Sozialpädagogen zusammen -
von einer Frau und zwei Männern. Zur Erledigung von Aufgaben der Ausstattung und anderer
handwerklicher Leistungen wird das Team zeitweise von einem Zivildienstleistenden
unterstützt.
Außerdem sei noch darauf verwiesen, dass die enge Zusammenarbeit mit dem "Kübel"-Mitte-
Team im Bedarfsfalle einen flexiblen Austausch der Mitarbeiter erlaubt.
Das Territorium
das Arbeits-Territorium des Teams "Kübel"-Nord erstreckt sich auf Lausen-Grünau und
Grünau-Nord und ist insgesamt 4,4 qm groß.
- Grünau-Nord (0,9 qm)
Hat die höchste Einwohnerdichte Leipzigs. Außerdem gekennzeichnet von einer hohen Anzahl
Sozialhilfe- und Wohngeldempfänger. An den Kulkwitzer See angrenzend, bietet der Stadtteil
weitere Ruhezonen in den Innenhöfen. Als Knotenpunkt fungiert das Jupiter-Zentrum.
Treffpunkte für Jugendliche sind die AGIP-Tankstelle, verschiedene Sportplätze und einige
Innenhöfe.
- Lausen-Grünau (3,5 qm)
Am Kulkwitzer See gelegen, lädt ebenso der grüne Gürtel vor Lausen und einige
Sportplatzanlagen zur Erholung ein. Besonders hoch ist der Anteil der Jugendarbeitslosigkeit
von 14,7 %, der eine schwache sozio-ökonomische Basis zur Folge hat.
Treffpunkte für Kinder und Jugendliche sind auch die peripher gelegenen alten Kuhställe und
unbewohnte Gehöfte rund um Lausen. Markante Punkte sind außerdem:
die Selliner Passage, das Zentrum an der Kotsche, die beide kleinere Einkaufszentren darstellen.
Das neue Bürgerzentrum an der Brackestraße wird demnächst künftigen Nutzern geöffnet.
Problemlagen der Zielgruppen im Arbeitsgebiet
Wie auch schon bei den eingangs beschriebenen Zielgruppen lassen sich im
Wesentlichen drei Altersgruppen unterscheiden, anhand derer die besonderen
Merkmale des Klientels feststellbar sind.
Lückekids im Alter von 9-13 Jahren agieren in Form stark fluktuierender - aber durch die
Vielzahl der assoziierten Mitglieder -beständiger Cliquen. Sie sind besonders in Grünau-
Lausen bestrebt, Räume anzueignen, dringen in Keller, Fahrradschuppen u. a. ein, halten sich
auf Kaufhallenhöfen oder in Abrißhäusern auf. Nur gelegentlich nutzen sie die in ihrer
Umgebung situierten Angebote, wie z. B. die Skater-Rampen am Freizeittreff "Arena" oder
die Möglichkeiten des Bauspielplatzes des Caritas-Zentrums an der Liliensteinstraße. Ihre Art
des Probierens und Testens verleitet sie zur Einnahme von Rauschmitteln und der Übernahme
rechts- oder linksgerichteter Schemata als Versatzstücke eines unzusammenhängenden
Weltbildes. Durch das gruppendynamisch selbstverstärkende Geschehen verfallen sie leicht in
delinquentes Verhalten, das sich durch Zerstörungen - besonders im Wohnumfeld der
Brackestraße - oder auch Tätlichkeiten gegenüber randständigen Cliquenmitgliedern zeigt.
Gerade in Bezug auf die Lückekids scheint die Problematik der entwicklungsspezifischen
Benachteiligung und deren Aufhebung als Arbeitsziel deutlich auf. Partizipation wird hier
verstanden als ein Vermögen zur Integration und der Fähigkeit zur Gestaltung des
Lebensraumes.
Jugendliche im Alter von 14-18 Jahren treffen sich in Grünau-Nord, wie auch in Grünau-
Lausen an Sportplätzen, TT-Platten, Sitzecken, Schulaufgängen oder Hauseingängen. Darin
drückt sich ihr Bedürfnis aus, untereinander, spontan und kontaktorientiert zu sein.
Die Problemlagen der Jugendlichen erstrecken sich von altersbedingten
Beziehungskonflikten, über auffällige Gewaltbereitschaft gegenüber Gleichaltrigen,
Mitgliedern anderer jugendkultureller und politisch-orientierter Szenen oder Ausländern, bis
hin zu ausweichenden Strategien Jugendlicher, wie Drogenkonsum, Ablehnung
gesellschaftlicher Regeln und Provokation im Wohnquartier. Das Arbeitsgebiet weist zwar
einige Jugendtreffs auf, kann aber den verschiedenen Szenen und Gruppierungen nicht
genügen, da territoriale Verteilungskämpfe ausgrenzen und verunsichern. Gerade der
Kulkwitzer See ist in den sommerlichen Abendstunden von rechtes orientierten Jugendlichen
dominiert.
Der Drogenkonsum nimmt in den entlegeneren Gebieten um Lausen und am Kulkwitzer See
zu. Kanabis und Alkohol ist weit verbreitet. Darüber hinaus läßt sich die Tendenz zum
häufigeren Konsum von Cristal bemerken, das durch die Mischform der Zusammensetzung
und die häufige Versetzung mit Streckmitteln äußerst gefährlich ist.
Gescheiterte Bewältigungsprozesse jugendlicher Entwicklungsaufgaben frühzeitig auf ihre
Auslassungen und Ausgrenzungen von Möglichkeiten zu befragen und zu prüfen, ist
besondere Aufgabe des "Kübel"-Nord-Teams. Dies korrespondiert mit der Schaffung einer
erlebnisorientierten und diskursiv gestalteten Kultur der Begegnung, die den Jugendlichen die
Bildung einer Identität im Verhältnis zur gesellschaftlichen Realität und ihrer verschiedensten
Facetten individueller Perspektiven nahelegt.
Jugendliche über 18 Jahren verfügen häufig über Autos, so daß sie ihre meist kommerziellen
Freizeitangebote auch außerhalb Grünaus aufsuchen können. Damit verknüpft ist das Problem
der Partydrogen, wie XTC und Speed. Individuelle Probleme ergeben sich aus der Aufgabe
eine sozio-ökonomischer Selbständigkeit zu erlangen. Wobei die Leistungen zuständiger
Ämter bekannt und zugänglich sind, jedoch motivationale Defizite die Inanspruchnahme
verhindern.
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