Presse 2002
Kleine Volkszeitung, 30.07.2002
"KüKen" fühlen sich als Familie
Cliquentreff in der Garskestraße ist Anlaufpunkt für junge Leute des Wohngebiets
Ob Markus mit seinen 19 Jahren, René, Luisa, Franzi, der 16-jährige Felix oder Julia, sie alle gehören zu den "Kübel-Kids". Seit Februar 1995 besteht das "Kübel INN" - so der offizielle Name des Cliquentreffs - als Teil der Arbeit des Vereins "Mobile Jugendarbeit Leipzig" in der Garskestraße 3. Die Abkürzung "KüKen", die sich die Grünauer Jugendlichen als Ergebnis einer Abstimmung selbst gaben, sollte den ursprünglichen Namen "Kübelkids" etwas aufpeppen.
"Wir sind hier fast wie eine große Familie", plaudert Diana aus dem Nähkästchen. Die 15 bis 20 Jugendlichen, die zum festen Stamm des Treffs gehören, werden von Projektleiterin Katrin Zschuckelt, zwei Sozialarbeitern und einer ABM-Kraft betreut. Sie versuchen, den Cliquen von der Straße eine Möglichkeit zu geben, ihre Freizeit in Gemeinschaft mit anderen zu verbringen und bei Problemen immer einen professionellen Ansprechpartner zu haben. Die Sozialarbeiter Jan Kaefer und Rita Schmäche haben sich mit ihrer Arbeit ganz der "Streetwork" gewidmet, um Jugendarbeit intensiv an der Basis, auf der Straße zu betreiben.
"Unser Gesamtkonzept stützt sich auf vier Säulen: Streetwork, Cliquenarbeit, Einzelfallhilfe und Gemeinwesenarbeit", erklärt Kaefer. Der 30-Jährige ist studierter Sozialpädagoge und arbeitet schon seit 1998 ehrenamtlich für den Verein im "Kübel". Die Kontakte zu den Jugendlichen, denen der Treff als Alternative zum Hinterhof oder Park angeboten wird, würden zunächst auf der Straße geknüpft. Dabei sei das Interesse der Jugendlichen stärker als die Abneigung gegenüber einem Fremden. Hauptprobleme der Jugendlichen, die sie mit den Streetworkern "bequatschen" können, sind vor allem schulischer Art, die oft gespannte Situation zuhause, das Thema Abhauen und auch Drogenangelegenheiten. "Wir sind dazu da, die Probleme der Leute im Gespräch zu erkennen, Vorschläge zu machen und sie auf Wunsch zu Experten im Jugendamt oder der Notübernachtungsstelle zu begleiten", erklärt Jan Kaefer. Private Kontakte zu den Jugendlichen werden aber bewusst vermieden, denn um ihnen wirklich helfen zu können, müsse man eine gewisse Distanz wahren.
Dienstags herrscht großer Andrang, wenn sich ab 15 Uhr die Türen des Treffs für fünf Stunden den Jugendlichen öffnen. Dann wird die Musik aufgedreht, im Kontaktcafé gemütlich Karten gespielt, werden die Sitzecken für Gespräche genutzt oder in Nebenräumen Billard, Dart sowie Tischfußball ausprobiert. Eine Küche, in der nur alkoholfreie Getränke zu erwerben sind, eine Werkstatt sowie ein kleines Fotolabor stehen den Jugendlichen ebenso zur Verfügung. Neu ist der Jugend-Info-Point, ein weiterer Raum mit drei Internetplätzen zur freien Nutzung.
"Ich habe im Treff einen festen Freundeskreis, kann Liebesprobleme mit Rita besprechen und wir haben auch für unsere Abschlussprüfungen hier lernen können", erzählt Diana. Die "KüKen" schätzen vor allem die handfesten Ratschläge und Tipps, die ihnen die Sozialarbeiter mit auf den Weg geben. Der 17-jährige Robert hat sogar seine Julia im "Kübel" kennen gelernt. "Ich finde es schön, sich mit Freunden hier treffen zu können, vor allem wenn mal schlechtes Wetter ist.", berichtet er. Sozialarbeiter Jan Kaefer verrät zu Schluss, der Reiz sei, dass die Kids an einer Schaltstelle im Leben stehen und man dürfe sie ein Stück begleiten. Es passiere auch schon mal, dass ein alter Treffanhänger aus Nostalgie auf ein Schwätzchen vorbeikomme.
Mandy Münster

Im "Kübel Inn" finden die jungen Grünauer Gleichgesinnte und Zeitvertreib.
Foto: Uwe Pullwitt
Infos zu Verein und Treff gibt's unter www.kuebel-online.de
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