Presse 2002
hallo!, 10.08.2002
Grünauer Kids machen sich ihre eigenen Regeln
Die Mobile Jugendarbeit bringt Jugendlichen soziale Kompetenz bei - mit Fußball
 Die sechs Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit e.V. in Grünau haben ein Talent, das heutzutage vielen fehlt: Sie haben Verständnis für Jugendliche. Das wird von den 6.200 14 - 21jährigen in Grünau geschätzt. Zu denjenigen unter ihnen, die Hilfe brauchen, geht die Sozialarbeiterin Katrin Zschuckelt. Täglich redet sie mit den Teenies, besucht Cliquen, leistet Einzelfallhilfe. Sie spricht dann von "ihren" Kids und darüber, "was abgeht" in Grünau. Alkohol-, Drogen-, Schulprobleme und Perspektivenlosigkeit sind die Haupt-Feinde, gegen die sie seit 1994 kämpft. Damals wurde der Verein gegründet. Entgegen den Befürchtungen wurde Grünau nicht zum Slum Leipzigs, doch die sozialen Probleme, die sind geblieben. Manchmal bringt es schon etwas, wenn ein gewalttätiges Mädchen in eine betreute Wohngemeinschaft kommt und so den täglichen Streitereien oder dem Alkoholmissbrauch der Eltern aus dem weg gehen kann. Ziel ist es dabei immer, so Katrin Zschuckelt, den Jugendlichen "Hilfe zur Selbsthilfe" zu geben. Am 3. August haben sie deshalb ein Fußballturnier veranstaltet, bei dem es keinen Schiedsrichter, dafür aber "Fairplay-Punkte" gab. Knapp hundert Grünauer Jugendliche fanden das klasse. Katrin Zschuckelt hofft, dass nun der Straßenfußball wieder aufersteht, der Jugendliche im Sport vereint. Um ihre Wünsche zu verwirklichen, bedarf es allerdings der Mithilfe von Anwohnern, Behörden und Schulen. Genau hier aber gibt es Konflikte. "Von den Kids bin ich noch nie abgelehnt worden.", erzählt sie. Es sind die Bürger, die sich beschweren. "Geht doch hin und redet mit ihnen. Grünau muss für alle lebenswert sein", empfiehlt Katrin Zschuckelt diesen Anwohnern. Ebenfalls nicht leicht ist es, das Arbeitsamt zu überzeugen, dass die Jugendlichen, auch wenn sie Mist gebaut haben, eine zweite Chance bekommen sollten. "Ich wünsche mir manchmal mehr Verständnis", bedauert die Sozialarbeiterin, der dieses Jahr drei Mitarbeiter aus Einsparungsgründen gestrichen wurden. Auch mit einigen Schulen hat sie so ihre Schwierigkeiten. Aus Angst vor Schließungen verdrängen viele, dass es Probleme gibt. Zum Glück gibt es da noch den ASW und die Wohngenossenschaften. Mit denen ist nämlich die Zusammenarbeit gut, freut sich Katrin Zschuckelt. Optimistischer wird sie auch, wenn sie erzählt, dass ihr Verein "Jugendinfopoint" geworden ist und deshalb Fördermittel für sechs Computer mit Internetzugang bekommen hat.
Swenia Teichmann
Bildtext:
Kümmert sich um die Probleme "ihrer" Straßen-Kids: Sozialarbeiterin Katrin Zschuckelt.
Foto: Swenia Teichmann
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