Projekt "Kübel"
Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V.

Presse 2003

Stadionheft "Goalline", 29.06.2003

"Toleranz im Spiel."
Die Leipzig Lions und Mobile Jugendarbeit zeigen heute Gesicht

Welches Spiel würde sich besser für den ersten Saisonsieg der Lions eignen als das heutige? Denn die Partie gegen die Virgin Guards bildet so ganz nebenbei auch den diesjährigen Höhepunkt in der Kooperation zwischen den Leipzig Lions und der Mobilen Jugendarbeit Leipzig (MJA). Wie auch schon im letzten Jahr wird pro Eintrittskarte ein Euro für die Arbeit der Streetworker gespendet.

Das Programm

Anfeuern beim Beachvolleyballturnier

Aber es geht nicht nur darum, Geld zu übergeben. Die Gelegenheit soll gleichzeitig dafür genutzt werden, eine öffentliche Plattform zu schaffen, um die Leipziger einmal mehr zu ermutigen, sich für Demokratie und Toleranz zu engagieren. Deshalb steht der heutige Tag auch unter dem Motto "Toleranz im Spiel.". "Der Slogan schlägt eine Brücke zwischen Sozialarbeit und Sport und soll ein ermutigendes Signal für alle Leipziger sein:" - erklärt Katrin Zschuckelt, die Projektleiterin der MJA. Von Grünau aus, der Heimat beider Vereine, starteten deshalb heute Mittag 40 Jugendlichen in einem Sonderwagen der LVB in Richtung Paunsdorf. Dieser wurde im Rahmen der Aktion "Courage zeigen!" grafisch gestaltet und trägt das Anliegen der Veranstaltung somit durch die ganze Stadt. Nahtlos fügt sich daran die im Stadion gezeigte Fotoausstellung "Gesicht zeigen!" an, die vom Fachreferat für jugendpolitische Sonderaufgaben und Extremismus beigesteuert wurde. Die Fachreferentin Berit Lahm ist persönlich vor Ort und wird gern Fragen zur Ausstellung und ihrer Arbeit beantworten.

KübelkidsNeben den Augen werden aber auch die Ohren bedient. Denn das Highlight im Vorprogramm ist "Superkargo", eine junge Funky-Reggae-Band aus Leipzig. Im Frühjahr spielten sie sich mit ihrem mitreißenden Sound bis ins Finale des 5. Jugendfestivals "Junge Musiker gegen Gewalt und Rassismus". Zum Gesamtsieg hat es dort leider nicht ganz gereicht, aber auch dabei gilt das olympische Motto "Dabei sein ist alles"! Olympisch wird es übrigens auch heute im Fortunastadion. Zum einen lädt die MJA alle Zuschauer zur "Spaßolympiade" ein, wo in fünf witzigen Disziplinen der Sieger gesucht wird. Und zum anderen begrüßen Jugendspieler der Lions und Grünauer Jugendliche mit den fünf olympischen Farben die Leipziger und Magdeburger Spieler auf dem Rasen. Dann ist auch der Auftritt von Sportbürgermeister Holger Tschense gekommen. Er wird den Coin-Toss, den Münzwurf zur Platzwahl, ausführen. In der Halbzeit schließlich gibt's dann die Scheckübergabe an die Mobile Jugendarbeit.

Das Kooperations-Projekt

Herr Haller [Jugendamtsleiter]Der Kontakt zwischen Footballern und Sozialarbeitern kam einst durch den damaligen Lions-Coach Scott Caton zustande. Auf der Suche nach einem Job wurde der ausgebildete Sozialpädagoge und Psychologe bei der MJA fündig. Da beide Vereine in Grünau zu Hause sind, entwickelten sich schnell Ideen, um gemeinsame Projekte für Grünauer Jugendliche zu starten und sich gegenseitig zu unterstützen. Es begann mit einem wöchentlichen Grill-Abend auf dem Lions-Platz, wo sich Grünauer Cliquen trafen und den Footballern und Cheerleadern beim Training zuschauten. Später versuchten sich einige dieser Jugendlichen selbst im Nachwuchsteam oder bei den Dancers. Andere wiederum halfen bei den Meisterschaftsspielen als "technisches Personal" aus - machten für den Coach Videoaufnahmen vom Match, halfen in der "Kette" aus oder grillten für die Besucher. Auch Jugendliche, denen vom Gericht die Ableistung von Sozialstunden auferlegt wurde, fanden bei den Lions ihre Betätigung. Die blau-gelbe Anzeigetafel für den Spielstand ist dafür ein weithin sichtbares Beispiel. Dieser integrative Kooperationsansatz stieß schnell auch in der Lokalpolitik auf Ressonanz und wird gern als gelungenes Beispiel präsentiert. In einer Pressemeldung der Stadt Leipzig vom 14.03.02 liest sich das so: "Aus dem Netz freier und kommunaler Träger der Jugendarbeit sticht eine Kooperation heraus: die zwischen Mobiler Jugendarbeit mit dem Football Team Leipzig Lions e.V. im Neubaugebiet Grünau. Rechtsradikalem Potential wird durch Sport und Engagement für den Verein begegnet; gefährdete Jugendliche werden dadurch besser in soziale Teams integriert." Und kein anderer als OBM Wolfgang Tiefensee bewertete die gemeinsame Plakataktion "Gleiche Frisur - selbes Team" als "ein öffentliches Bekenntnis für ein tolerantes, internationales und fremdenfreundliches Leipzig".

Der Verein Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V.

Der Verein "Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V." wurde im Dezember 1993 gegründet. Er ging aus der Arbeit des Projektes "Mobile Jugendarbeit/ Streetwork" (Leipzig-Grünau) hervor, welches im Zuge des "Aktionsprogrammes gegen Aggression und Gewalt" des Landes Sachsen initiiert wurde. Grundlage der Arbeit des Vereins ist der methodische Ansatz "Mobile Jugendarbeit" mit den vier Grundpfeilern Streetwork, Gemeinwesenarbeit, Einzelfallhilfe und Cliquenarbeit. Die sozialpädagogische Tätigkeit richtet sich vor allem auf Jugendliche aus den sogenannten "Randgruppen". Dabei ist es unwichtig, welcher Szene oder politischen Orientierung diese Jugendlichen angehören, entscheidend ist eine erkennbare Gefährdung ihrer persönlichen Entwicklung durch soziale Probleme oder gesellschaftliche Ausgrenzung.

Mehr Infos zur MJA gibt's unter:
www.kuebel-online.de

Spendenkonto:
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92 - Konto 11000 64067

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