Projekt "Kübel"
Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V.

Presse 2006

Wochenkurier, 26.07.2006

Jugendclubs sind am unteren Limit
Rathausspitze plant die Kürzung der Zuschüsse für Vereine und Verbände

Dominique Lüder, André Schlag und Nancy Runge (v.l.) beim Waffelbacken des Sommerfestes im Grünauer Jugendclub

Leipzig. Weil das Rathaus noch in diesem Jahr die Vereinszuschüsse von rund 8,6 Mio. Euro auf etwa 7,6 Mio. Euro kürzen will, drohen auch den Jugendclubs drastische Einschnitte.
Im Jugendklub "Kübel" in der Garskestraße kümmern sich sechs Mitarbeiter vor allem um Einzelfälle. Den "Kiddies", wie Diplom-Sozialarbeiterin Rita Schmäche die Jugendlichen aus Grünau nennt, wird bei ALG-II-Anträgen, Widersprüchen oder Bewerbungen geholfen. "Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe", konkretisiert Rita Schmäche, "nehmen ihnen aber keinesfalls die komplette Arbeit ab." Beim vom Verein Mobile Jugendarbeit getragenen Klub ist auch der offene Bereich eine wichtige Säule. Jugendliche können während bestimmter Zeiten im Haus vorbeikommen und hier Zeit verbringen.

Projekte sind wichtig
Neben diesen sogenannten "Alltagsaufgaben" gilt es auch mal besondere Projekte mit den Jugendlichen zu organisieren und vorzubereiten. So wurde 2004 der "König von Grünau" gesucht - eine echte Wahl mit Budgets für Wahlwerbung, korrektem Ablauf usw.. "Die Kinder haben erfahren, was Demokratie bedeutet", erzählt Rita Schmäche. Jetzt steht beides - die Realisierung der Alltagsarbeit und die immer seltener werdenden Projekte - wieder einmal auf der Kippe. Bei einer Kürzung der Mittel zur Vereinsförderung, wie sie voraussichtlich im September im Stadtrat beschlossen werden soll, müssen Leipzigs Jugendklubs ihre Arbeitsplanung neu überdenken. Seitens der Rathausspitze gibt es noch nichts Spruchreifes bezüglich Höhe und Verteilung der Einsparung. "Die Vorlage wird derzeit erarbeitet. Im Moment gibt es dazu keine Auskünfte", blockt Stadt-Sprecher Steffen Jantz Anfragen ab. "Die Stadtverwaltung prüft derzeit die Möglichkeiten der Ausgabenreduzierung", sagt Thomas Schmidt, Abteilungsleiter Finanzen vom Jugendamt und versucht zu entwarnen. "Die strategische Ausrichtung der Stadt auf Jugendfreundlichkeit stellt die Kinder- und Jugendhilfe auf einen vorderen Rang". Demzufolge sollte der prozentuale Kürzungsauftrag vergleichsweise gering ausfallen. Doch: Gekürzt wird auf jeden Fall. Je nachdem, was im Endeffekt zur Verfügung steht, muss dann auch bei der "Mobilen Jugendarbeit" der Rotstift angesetzt werden. Finanzverantwortliche Katrin Zschuckelt weiß, dass dies dann nur über den Posten Personal geregelt werden kann. "Bei den inhaltlichen Sachkosten, also den Projekten, sind wir bereits am untersten Level. Statt der momentan 38 Wochenstunden wären dann nur noch 36 möglich."

Im Grenzbereich
Auch beim offenen Freizeittreff "Tante Hedwig" in Neustadt-Neuschönefeld, wo sich täglich etwa 50 Jugendliche aufhalten, schwitzt man angesichts des bevorstehenden Geldentzugs schon. "Mit zwei Sozialpädagogen, zwei ABM-Kräften und gelegentlich einem Praktikanten sind wir bereits an den Grenzen der Personalsituation", so Sozialpädagogin Daniela Deumelandt. Thomas Schmidt gibt zu, dass die Möglichkeiten zurückgehende Zuwendungen zu kompensieren für die Jugendclubs begrenzt sind. "Eine angemessene Leistungsreduzierung, zum Beispiel eine Reduzierung der Öffnungszeiten kann deshalb nicht ausgeschlossen werden."

D. Quosdorf

Bildtext: Dominique Lüder, André Schlag und Nancy Runge (v.l.) beim Waffelbacken des Sommerfestes im Grünauer Jugendclub "Arena". Solche Events stehen auf der Streichliste. Foto: quo

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