Trotz Corona - Wir sind für dich da!

Schreibt uns über Insta, Signal oder SMS oder klingelt uns an. Wir rufen zurück! Nach Terminabsprache können wir uns auch mit Maske und Abstand einzeln im Büro treffen. Oder wir treffen uns zu zweit zum Spaziergang. Gern reden wir mit euch über alles, was euch bewegt und unterstützen euch.

Bleibt gesund und schütz euch und andere!

Info-Paper für Ordnungsamt und Polizei

Zum sensiblen Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche sich trotz Ausgangssperre im öffentlichen Raum aufhalten.

Zum sensiblen Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche sich trotz Ausgangssperre im öffentlichen Raum aufhalten.

 

Im Folgenden möchten wir Bezug nehmen auf die aktuellen Ausgangsbeschränkungen in Sachsen (Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt zum Schutz vor dem Coronavirus SARS-CoV-2 und COVID-19. Sächsische Corona-Schutz-Verordnung vom 31. März 2020).

Das Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund ist zur Zeit untersagt, um gemeinsam die Ausbreitung von COVID -19 zu verlangsamen. Diese Situation ist für alle eine Herausforderung. Wir möchten hiermit jedoch dafür sensibilisieren, dass es für einige soziale Gruppen sehr schwierig ist, "zu Hause" zu bleiben. Für jene Menschen bedeutet öffentlicher Raum: Schutz, Zuflucht, Ausgleich und Wohnraum.

Prekäre Familien- und Lebensverhältnisse sind oftmals von knapper Wohnfläche und damit einhergehend wenig Privatsphäre geprägt. Würde nicht die Möglichkeit bestehen, sich Raum außerhalb der eigenen vier Wände zu schaffen und sich somit gegenseitig Platz zu geben, würden sehr viel mehr Konflikte eskalieren und zu psychischen und physischen Gewaltanwendungen führen. Betroffen von dieser Gewalt sind in der Regel Kinder, Jugendliche und Frauen.

Hier kann das sich aus der Situation entziehendie Zuflucht in den öffentlichen Raum bedeuten. Diese Art der Konfliktlösung wird jedoch durch die Ausgangsbeschränkung erschwert. So kann es passieren, dass junge Menschen auf Grund von ordnungspolitischen Maßnahmen dorthin zurückgeschickt werden, wo sie Gewalt erfahren.

Von vielen Fachstellen wird zudem davor gewarnt, dass häusliche Gewalt, Depressionen oder Suizide(-versuche) in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen zunehmen werden.

Gleiches gilt für junge Menschen aus Gemeinschaftsunterkünften, die bereits durch einschlägige traumatische Ereignisse vorbelastet sind und mit den strukturellen und zwischenmenschlichen Problemlagen konfrontiert sind. Die sich daraus resultierenden Lebensbedingungen sind unterschiedlich
aber können zu einer Belastungsprobe werden, die unmöglich auszuhalten ist.

Verheerend kommt noch hinzu, dass die Beratungsstellen und sozialen Angebote, die für einige der jungen Menschen zentrale Anlaufstellen sind und in Notsituationen unterstützen, derzeit weitestgehend für den persönlichen Besuch geschlossen sind.

Auch für Menschen ohne Obdach, die oft in festen Gruppen leben, bedeuten Ausgangssperren und der unerwünschte Aufenthalt im öffentlichen Raum zusätzliche negative Folgen für ihre Lebensverhältnisse. Der ohnehin eingeschränkte Zugang zu Nahrung, Hygiene und Gesundheit spitzt sich auf Grund der gegenwärtige Lage nochmals zu. Zudem wird dieser Teil der Menschen infolge der Maßnahmen sozial isoliert.

Es sollte daher außer Frage stehen, dass die Menschen, die ohnehin bereits in prekären Lebensverhältnisse leben, nicht noch zusätzlich mit Bußgeldern ordnungspolitisch belangt werden. Viel mehr sollten die komplexen Lebensrealitäten und daran angepasste Konfliktlösungsversuche mitgedacht und bei der Durchführung ordnungspolitischer Maßnahmen berücksichtigt werden.

Wir möchten Sie bitten, bei Kontrollen oder im Kontakt mit Personen der oben genannten Zielgruppen sensibel vorzugehen und auf Angebote zu verweisen, die versuchen, in dieser Krise Unterstützung zu leisten.

 

Adressen von Hilfseinrichtungen:

Der Kinderschutzbund Leipzig e.V.: 116111 (Nummer gegen Kummer) oder 0800 111 0 333

Evangelische Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür e.V.: 24h Krisentelefon 0800/111 0 111

Frauen- und Kinderschutzhaus Leipzig: 24h Krisentelefon (0341)23 24 277

Mosaik Leipzig E.V. Psychosoziales Zentrum: Tel. 0176 / 57899131

RAA Sachsen, Opferberatung Support Leipzig: Mo-Fr 09:00 Uhr- 18:00 Uhr 0341 / 2254 957 oder 0178 / 51 62 937

Autonome Frauenhaus 0341-47 98 179 (24h erreichbar)

Notruf bei sexualisierter Gewalt/ Missbrauch 0341 – 30 61 0800 (24h erreichbar)

Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking (auch Kinder und Jugendberatung) 0341 – 3068778

Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V.: siehe Website

Zurück